Bürgerstiftung Gersfeld & Ebersburg

Auftaktveranstaltung legt Grundstein für eine Bürgerstiftung in Gersfeld und Ebersburg

Packen wir`s an! Gemeinsam! Jetzt!  -

das war das Credo der insgesamt 30 Personen aus Gersfeld und Ebersburg die am 12. März in der Stadthalle in Gersfeld zusammengekommen sind, um den Grundstein für etwas Großes zu legen:

eine „Stiftung“ zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger von Gersfeld und Ebersburg, mit deren Hilfe künftig wichtige Maßnahmen der lokalen Vereine und Einrichtungen nach Auslaufen öffentlicher Fördergelder weiterfinanziert und Servicelücken geschlossen werden sollen.

„Die negativen Auswirkungen des Strukturwandels betreffen zunehmend auch Gersfeld und Ebersburg. Wir haben im Verhältnis immer mehr alte Menschen, die Versorgungsangebote vor Ort sind tendenziell abnehmend, der kaum nutzbare öffentliche Nahverkehr wird zunehmend problematisch und den Unternehmen fällt es immer schwerer Azubis und Arbeitnehmer zu finden und zu halten.

Damit steigt insgesamt die Gefahr des Verlustes an Lebensqualität in der Region – und zwar für alle!“ begann Lisa Knur, die im Auftrag der Kommunen und der LEADER-geförderten Maßnahme „Regionales Netzwerk Strukturwandel“ die Gründung der geplanten „Stiftung“ maßgeblich vorbereitet.

Sie würdigte das bereits hohe gesellschaftliche Engagement vieler Vereine, Initiativen, Schulen und Familien-zentren, die seit einigen Jahren versuchen, genau diesen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen, mit Angeboten, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken, Senioren unterstützen und Familien-angehörige entlasten, aktiv gegen Isolation und Vereinsamung vorgehen, sowie Integration gestalten und soziale Barrieren abbauen.

Gleichwohl viele dieser Aktivitäten mithilfe öffentlicher Fördergelder initiiert werden konnten, seien die Förderungen immer zeitlich befristet, führte Knur weiter aus. Außerdem könne nur Neues und Innovatives gefördert werden, und leider seien auch die Kommunen nicht in der Lage diese zwar wichtigen, aber über die Grundversorgung hinausgehenden Leistungen zu gewährleisten. „Es gab in den Gesprächen mit Vertretern der Zivilgesellschaft, in denen ich die Idee einer Förderstiftung vorstellte, zunächst große Skepsis, ob sich überhaupt Unternehmen finden würden, die bereit sind sich hier zu engagieren und auch finanziell einzubringen.

Umso erfreuter war ich über die nahezu ausschließlich positiven Reaktionen und spontanen Zusagen der Gersfelder und Ebersburger Unternehmen, es gemeinsam anzupacken!“, erklärte Knur und bedankte sich noch einmal explizit bei den Anwesenden. Aus zeitlichen Gründen sei es ihr bisher leider noch nicht möglich gewesen, alle Unternehmen und alle Vereinsvorstände persönlich anzusprechen, aber das hole sie natürlich so schnell wie möglich nach. 

Nachdem das „Warum“ einer Förderstiftung beleuchtet war, wurde es technisch. Mögliche Rechtsformen, Strukturen und die rechtlichen Leitplanken innerhalb derer Entscheidungen getroffen werden können, wurden erörtert. Und dann waren die Teilnehmer gefordert, die sich aus Unternehmer/-innen, Geschäftsführern und Vorstandsmitglieder von Vereinen, Schulleiter/-innen, Mitarbeiter/-innen der Familienzentren und Vertreter/-innen der Politik zusammensetzten.

Fachkundig moderiert von Frau Prof. Dr. Rückert-John von der Hochschule Fulda, legten sie die Rahmenbedingungen für die zu gründende „Stiftung“ fest und diskutierten bis in den Nachmittag ganz konkrete Fragen. Beispielsweise, was jeder sich vorstellen könne beizutragen, um die Unterstützung möglichst aller Unternehmen, Vereine und Bürgerinnen und Bürger in Gersfeld und Ebersburg für die „Stiftung“ zu gewinnen; Wie, an wen und für wie lange Spendengelder weitergegeben werden sollen; Wie sich die Mitglieder und Unterstützer der „Stiftung“ nach außen darstellen möchten – und wie diese „Stiftung“ denn nun eigentlich heißen soll.

Am Ende waren noch lange nicht alle Fragen abschließend geklärt. Aber man war sich näher gekommen und die wichtigsten Eckpunkte standen fest: es wird ein gemeinnütziger Verein werden, in dem die Mitglieder in den drei Gruppen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik organisiert sind. Jede Mitgliedergruppe wird in paritätischer Anzahl Personen in den Vorstand und in den sogenannten Förderausschuss wählen, der dann zu festgelegten Zeiten über eingegangene Förderanträge berät und dem Vorstand Maßnahmen zur Förderung empfiehlt.

Einen Förderantrag stellen können soll grundsätzlich jeder, der seine Gemeinnützigkeit nachweisen kann.

Und der Name? Der bereitete doch Einigen große Bauchschmerzen. Am Ende wurde sich mehrheitlich für „Bürgerstiftung Gersfeld-Ebersburg e.V.“ entschieden. Ob das der endgültige Name bleibt wird freilich erst die Gründungsveranstaltung weisen, die für den 6. Juni 2019 vorgesehen ist.

„Das ist ein spannender Prozess, weil das Konzept neu ist. Wir werden nicht alle Fragen im Vorfeld beantworten können, aber wir haben ein gemeinsames Ziel: Eine gute Zukunft für die Menschen in Ebersburg und Gersfeld“ freuten sich Frau Kram, Bürgermeisterin der Gemeinde Ebersburg, und Herr Dr. Korell, Bürgermeister der Stadt Gersfeld (Rhön), im abschließenden „Blitzlicht“. Hier reflektierten die Teilnehmer noch einmal kurz ihre Eindrücke des Tages und dankten einander für die Zeit, die sich jeder Einzelne genommen hatte, um in dieser Auftaktveranstaltung gemeinsam den Grundstein für die „Bürgerstiftung Gersfeld-Ebersburg e.V.“ zu legen. 

Eine Bürgerstiftung, mit der wie in den Diskussionen deutlich wurde, eine ganze Reihe von Hoffnungen, bzw. Chancen für die Region verbunden werden: Wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, können Synergien genutzt und sinnvolle und wichtige Maßnahmen auch dauerhaft finanziell unterstützt werden; auf Missstände kann flexibel und zeitnah reagiert und das vorhandene Angebot der Vereine, Familienzentren, Schulen und Kindergärten kann gemeinsam noch bedarfsorientierter gestaltet werden.

Vielleicht fühlt sich sogar der ein oder andere Akteur ermutigt, noch zusätzliche Angebote ins Leben zu rufen, die dazu beitragen das Leben in Ebersburg und Gersfeld für alle ein bisschen einfacher und besser zu machen – und so attraktiv, dass wieder mehr Junge hierbleiben, bzw. nach Ausbildung und Studium zurückkommen wollen. Hr. Kremer vom Verein Natur- und Lebensraum Rhön wies außerdem auf das große öffentliche und politische Gewicht, das eine solche „Bürgerstiftung“ entwickeln könne, in der neben der Lokalpolitik auch die Unternehmen, die Vereine, die Kirche, die Bildungseinrichtungen und gemeinnützigen Träger von Gersfeld und Ebersburg vereint sind: „Damit könnten Gersfeld und Ebersburg ggfs. auch politisch ganz anders Einfluss nehmen und zu einer positiven Weiterentwicklung der Region beitragen!“

Die Ebersburger und Gersfelder packen’s an! Gemeinsam! Jetzt!    

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