Hessischer Denkmalschutzpreis 2011 Drucken E-Mail

Hessischer Denkmalschutzpreis 2011 für Projekt in Ebersburg-Weyhers verliehen 

 

hausleitschuhKulturdenkmäler zeugen von Werten, die Zeiten und Generationen überdauern. In einer Welt, die durch raschen Wandel und damit oftmals auch durch Unsicherheiten geprägt ist, vermitteln sie die notwendige Kontinuität." Das hat die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, bei der Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises 2011 hervorgehoben. 

„Kulturdenkmäler und Denkmalpflege bilden ein ausgleichendes Gegengewicht gegen den ständigen Wandel, der uns allen viel abfordert und manche Menschen gelegentlich auch überfordert. Denkmalpflege trägt so erheblich dazu bei, unsere Gesellschaft zu stabilisieren", sagte sie bei der Feier in der Aula des „Alten Gymnasiums" in Limburg.

Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen, Dr. Heinz-Georg Sundermann, und dem Präsidenten des Landesamts für Denkmalpflege Hessen, Prof. Dr. Gerd Weiß, zeichnete die Ministerin die Gewinner aus. Die Jury hatte aus 42 Vorschlägen acht Preisträger ausgewählt: Privatpersonen, den Landkreis Limburg-Weilburg und die Stadtwerke der Stadt Hofheim. Verliehen wurden Geldpreise und Urkunden für vorbildliche Sanierungen.

Der von der Lotterie-Treuhandgesellschaft gestiftete Preis wird seit 1986 vergeben und ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Leistungen mit überregionaler Bedeutung auf den Gebieten der archäologischen Denkmalpflege, der Bau- und Kunstdenkmalpflege oder der Gartendenkmalpflege.

Ministerin Kühne-Hörmann würdigte die Leistung der Eigentümer, die besondere Kosten und Mühen auf sich genommen hätten, um sich mit der historischen Substanz von Zeugnissen der Vergangenheit auseinanderzusetzen und diese dadurch für die Zukunft zu bewahren. 

Im Rahmen dieser Anerkennung hat u.a. auch Familie Leitschuh für die hervorragende und vorbildliche Sanierung der Alten Vogtei in Weyhers, Gemeinde Ebersburg, Hochstraße 3, eine Urkunde sowie einen Geldpreis im September 2011 verliehen bekommen.  

Der repräsentative zweigeschossige Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach und Gewölbekellerwurde etwa 1610 als Amtshaus errichtet und beherbergte den Verwalter derebersbergischen Besitzungen. Im Laufe seiner Geschichte hat das stattliche Anwesenverschiedene Nutzungen erfahren. Die letzte Nutzung als Gaststätte unter dem Namen„Bayerischer Hof“ endete 1979. Nach einem langjährigen Leerstand erwarben Katja undThorsten Leitschuh im Jahr 2000 das geschichtsträchtige Gebäude mit dem Ziel, es fürWohnzwecke zu sanieren und selbst zu nutzen.

Beim Erwerb der „Alten Vogtei“ waren die Außenwände vollflächig verputzt oder mitAsbestzementplatten verkleidet. Darunter trat ein mit aufwändigen Profilierungen undSchnitzereien versehenes Fachwerk zutage. Im Zug der Fachwerkinstandsetzung konnte imObergeschoß das Fachwerkgefüge aus der Erbauungszeit wieder hergestellt werden. Dasreparierte Fachwerkgefüge im Erdgeschoß spiegelt die bauliche Situation um 1800 wieder.Bei der Herstellung der neuen Fenster orientierte man sich an der auf historischen Fotoserkennbaren Fensterteilung. Die Farbgestaltung der Fassaden wurde in enger Abstimmungmit dem Landesamt für Denkmalpflege vorgenommen. Zur energetischen Verbesserung desGebäudes entschied sich die Bauherrschaft für eine Innendämmung in Form einesmineralischen Dämmputzes.

Während der mehr als zehnjährigen Bauzeit wurden viele der notwendigen Bauarbeiten vonKatja und Thorsten Leitschuh in Eigenleistung ausgeführt. Die an der „Alten Vogtei“ mit einem hohen Maß an Idealismus, Engagement unddenkmalpflegerischer Sensibilität durchgeführten Maßnahmen haben zur Erhaltung eines fürden Ort Weyers bedeutenden Kulturdenkmals beigetragen.Für die vorbildliche Sanierung eines besonderen Gebäudes, die von den Eigentümern mitgroßem persönlichen Aufwand und entsprechender Risikobereitschaft vorgenommen wurdeund über das denkmalschutzrechtlich Gebotene hinausging, wird dem Ehepaar Katja und Thorsten Leitschuh der Hessische Denkmalschutzpreis verliehen.

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 29 September 2011 )